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Verbraucherfreundliches und spektakuläres Urteil vom BGH: Der nachträgliche Abzug der Kreditzinsen ist zukünftig möglich

Kaum jemand verfügt bei der Anschaffung einer Immobilie über den finanziellen Rahmen, seine Immobilie bar zu bezahlen - neben der Tatsache, dass es steuerlich nicht wirklich sinnvoll ist. Bisher besteht natürlich Rechtsklarheit dahin gehend, wie steuerrechtlich mit Schuldzinsen zu verfahren ist, die beim bankfinanzierten Kauf einer Immobilie anfallen. Doch was geschieht, wenn man eine Immobilie erwirbt, diese Immobilie vollfinanziert und bei der Wiederveräußerung einen geringeren Preis erzielt, als die Darlehenssumme beträgt? Sind die weiterhin anfallenden Zinsen für das nicht vollständig abgelöste Darlehen absetzbar? Nein, sagten bisher die Finanzämter und brachten damit den Bundesfinanzhof (BFH) auf den Plan, denn der hat laut jüngst veröffentlichtem Urteil vom 20. Juni 2012 unter dem Aktenzeichen Az: IX R 67/10 entschieden, dass Schuldzinsen auch noch nachträglich und nach erfolgtem Wiederverkauf der Immobilie als Werbungskosten geltend gemacht werden können, wenn der Verkaufserlös die Darlehenssumme unterschreitet und ein Restkredit bleibt.

 

Haus erworben, verkauft und der Verkaufserlös fällt zu niedrig aus

Im aktuell verhandelten Fall ging es um ein Ehepaar, welches sich ein Mietobjekt anschaffte, um aus der Vermietung eine Wertschöpfung vorzunehmen. Für einen Kaufpreis von rund 1,9 Millionen Euro hatte ein Ehepaar dieses Wohnhaus gekauft und den Kaufpreis zu einem großen Teil über ein Darlehen bei einer Bank finanziert. Einige Jahre nach dem Kauf trennte sich das Paar wieder von ihrer Immobilie, konnte aber nicht den Kaufpreis erzielen, der es ihnen erlaubt hätte, das Darlehen komplett abzulösen. Es gab eine Differenz zwischen Verkaufserlös und Darlehensbetrag. Für die Restschuld bei der Bank, welche das Ehepaar logischerweise behielt, fielen entsprechende Schuldzinsen an. Diese fälligen Zinsen wollte das Ehepaar via Steuererklärung geltend machen und als Werbungskosten absetzen. Das zuständige Finanzamt lehnte diese Geltendmachung kategorisch ab.

Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied im Sinne des Ehepaares und gegen das Finanzamt

Die Richter am Bundesfinanzhof (BFH) haben entschieden, dass auch die Schuldzinsen, welche auch bei einem Immobilienkredit nachträglich noch anfallen, demnach auch nach dem Weiterverkauf zum Beispiel eines Mietshauses, können als Werbungskosten geltend gemacht werden. Geführt werden sie als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Damit stellte der BFH die bisherige Praxis nebst Rechtsprechung auf den Kopf und begründete das damit, dass die Gleichbehandlung in steuerrechtlicher Hinsicht bei anfallenden Gewinn- und Überschusseinkünften wieder ausgeglichen würden. Es wurde ein direkter Bezug zu den Grundentscheidungen des Steuerentlastungsgesetzes 1999, 2000 und 2002 hergestellt. Dort heißt es, dass die möglichen Wertsteigerungen bei einer eventuellen Veräußerung im Rahmen von der auf 10 Jahre gefassten Frist zu erfassen seien.

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