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Anlageberater haftet aufgrund Falschberatung für Totalverlust bei Altersvorsorge

Ein Bankberater, der seinem Kunden zum Zwecke Altersvorsorge riskante Anlageprodukte empfiehlt, ist im Falle des Totalverlustes zum Schadenersatz verpflichtet. Die Beratung sei deshalb als fehlerhaft anzusehen, da sie den Kundenbedarf nicht angemessen berücksichtigt. Zu diesem Ergebnis kam das Oberlandesgericht Oldenburg im Rahmen seines Urteils vom 22.08.2013 (Az.: 8 U 66/13).

 

Sachverhalt

Der Kläger des streitgegenständlichen Falls hatte sich im Jahr 1995 nach Empfehlung seines Anlageberaters als atypischer stiller Gesellschafter an einer Vermögensanlagen GmbH beteiligt. Als die Göttinger Gruppe Mitte 2007 Insolvenz anmeldete, verlor der Kunde sein gesamtes eingezahltes Kapital. Schließlich war er an einer Gesellschaft beteiligt, die dem insolventen Kapitalanlageunternehmen angehörte. Mit der Begründung, er sei seinerzeit von seinem Anlageberater nicht korrekt aufgeklärt worden, klagte der Kunde vor dem Landgericht. Weil das Gericht die Klage jedoch abwies, legte er Berufung vor dem Oberlandesgericht Oldenburg ein.

OLG sieht Verschulden des Anlageberaters

Das OLG folgte den Ausführungen des Klägers und verurteilte den damals für einen Finanzdienstleister aus Cloppenburg nebenberuflich tätigen Anlageberater zu einer Schadenersatzzahlung von mehr als 13.000 Euro. Weitergehende Schadenersatzansprüche auf Zahlung entgangener Gewinne hatte der Kläger aus Sicht des Gerichts unzureichend dargelegt. Typische stille Gesellschafter werden im Gegensatz zu atypischen Gesellschaftern regelmäßig auch an Verlusten beteiligt. In der Folge kann dies mit einem Totalverlust des eingezahlten Kapitals einhergehen. Wer als Anlageberater fungiert, ist verpflichtet, seine Kunden objekt- und anlegerorientiert zu beraten. Hierbei muss dieser Anlagewünsche und Wissenstand seines Gegenübers ermitteln und anschließend mit den Eigenschaften eines Anlageproduktes abgleichen. Hierbei sind nur solche Produkte zu empfehlen, die den festgelegten Anlagezielen entsprechen. Zusätzlich muss der Kunde über mögliche Risiken aufgeklärt werden. Insgesamt muss die Beratung hierbei verständlich, richtig sowie vollständig sein. Diesen Anforderungen habe die streitgegenständliche Beratung nach Auffassung des Gerichts nicht genügt. Denn dem Kunden sei keine Kapitalanlage empfohlen worden, die seinem Anlageziel, nämlich der Altersvorsorge, dient.

Risikobehaftete Anlage als Altersvorsorgeprodukt ungeeignet

Nach der Vernehmung von Zeugen stand für das OLG fest, dass der Kunde das Kapital für seine Altersvorsorge anlegen wollte und somit nicht bereit war, einen Totalverlust seiner Investition zu riskieren. Nach dieser Entscheidung dürfen Anleger mit Vorsorgeabsichten nicht mit derart riskanten Kapitalanlageprodukten umworben werden.

Gerichte ermöglicht Anlegern eine bessere Durchsetzung ihrer Rechte

Die Bankberatung steht spätestens seit der Pleite der US-Investmentbank Lehmann-Brothers unter verschärfter Beobachtung der Öffentlichkeit. Seitdem haben zahlreiche Privatanleger ihr sicher geglaubtes Geld teilweise oder ganz verloren. Zuletzt hat der Bundesgerichtshof den Anlegern den Rücken gestärkt. So hat der BGH im Rahmen seines Urteils vom 3. September 2009 (Az.: XI ZR 586/07) die Beweislast umgekehrt. Seitdem muss nicht mehr der Kunde das Fehlverhalten der Bank nachweisen. Damit können sich Anleger besser gegen Falschberatungen zur Wehr setzen.

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