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Sonstiges

Gerichtsentscheidungen und aktuelle Informationen rund um Reiseverträge und Pauschalreisen, Verkehrsrecht, Verkehrssicherungspflichten usw.  Fotolia 53194827 M
   

Rauchverbote im Urlaub stellen zumeist keinen Reisemangel dar

Tritt im Anschluss an die Buchung einer Urlaubsreise ein Gesetz in Kraft, welches das Rauchen am Strand verbietet, so stellt dieser Umstand keinen Reisemangel dar. Vielmehr habe sich ein allgemeines Lebensrisiko konkretisiert, das zu Lasten des Urlaubers geht. Deshalb ist der Reiseanbieter auch nicht gehalten, den Kunden vor Antritt der Reise auf das Inkrafttreten des Rauchverbotes hinzuweisen. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Hannover vom 01.09.2016 (Az.: 567 C 9814/15). Gleiches gilt, wenn das Rauchen in der Hotelanlage verboten wird.

Kein Ausgleichsanspruch bei Flugverspätung wegen Streit zwischen Besatzung und Passagier

Muss ein Flugzeug aufgrund einer nicht vorhersehbaren Eskalation zwischen einem Besatzungsmitglied und einer Katzenhalterin zwischenlanden, so steht dem Fluggast im Falle einer Flugverspätung kein Ausgleichsanspruch zu. Denn die Fluggesellschaft dürfe sich in einem solchen Fall erfolgreich auf einen außergewöhnlichen Umstand stützen. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 08.06.2016 (Az.: 31 C 397/16).

Airline darf Erstattungen bei Flugstornierung nicht verweigern

Stornieren Reisende ihren Flug vor Beginn der Reise, können sie grundsätzlich den Erlös durch den anderweitigen Ticketverkauf sowie die anlässlich der Stornierung ersparten Aufwendungen von der Airline herausverlangen. Eine Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die eine derartige Rückforderung ausschließt, ist unwirksam. So lautet das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 02.03.2016 (Az.: 2-24 S 178/15).

Reiseversicherung kommt für gestohlene Reisedokumente nicht auf

Werden ausschließlich Schäden am Eigentum durch eine Reiseversicherung gedeckt, so stellt der Verlust von Reisepapieren keinen Versicherungsfall dar. Der reine Sachwert der Dokumente sei zu gering und Folgekosten nicht mitversichert. Kommen so etwa die Reisetickets bei einem Überfall abhanden, muss die Reiseversicherung für diesen Schaden nicht aufkommen. Dies hat das Landgericht Hildesheim mit Beschluss vom 06.01.2017 (Az.: 7 S 136/16) entschieden.

Mängelanzeige trotz Kenntnis des Reiseveranstalters erforderlich

Ist dem Reiseveranstalter ein Mangel bereits bekannt, so ist die Anzeige des Reisemangels durch den Kunden dennoch erforderlich. Lediglich dann, wenn Abhilfe unmöglich ist oder vom Reiseveranstalter von vornherein und unmissverständlich verweigert wird, wird eine Mängelanzeige entbehrlich. So lautet das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 19.07.2016 (Az.: X ZR 123/15).

Reiseveranstalter muss für Fehlverhalten einer Schmuckmanufaktur nicht haften

Wer als Reiseveranstalter den Besuch in eine Schmuckmanufaktur im Rahmen einer gebuchten Reise organisiert und durchführt, kann für das Fehlverhalten der Manufaktur nicht haftbar gemacht werden. Denn diese ist keine Erfüllungsgehilfin des Reiseveranstalters. Dies geht aus einer Entscheidung des Münchener Amtsgerichts vom 10.06.2016 (Az.: 271 C 8375/16) hervor.

Streupflicht der Gemeinde besteht nicht überall

Stehen Eisglätte und Schnee vor der Tür, stellt sich regelmäßig die Frage nach der Streupflicht der Gemeinde. In einem Urteil vom 11.08.2016 (Az.: 11 U 121/15) hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden, dass die Gemeinde zur Vermeidung von Glatteisbildung außerhalb geschlossener Ortschaften nicht grundsätzlich streuen muss. Konkret besteht die Streupflicht auf öffentlichen Kreisstraßen nur an besonders gefährlichen Stellen. Hierunter fallen lediglich solche Straßenabschnitte, in denen Verkehrsteilnehmer eine erhöhte Sorgfalt und eine schärfere Beobachtung walten lassen müssen.

Auch unverschuldeter Unfall bei Hoteltransfer stellt einen Reisemangel dar

Kommt es beim Hoteltransfer zu einem Unfall, so muss der Reiseveranstalter selbst dann den Reisepreis zurückerstatten, wenn dieser unverschuldet war. Dies geht aus zwei Urteilen des Bundesgerichtshofs vom 06.12.2016 (Az.: X ZR 117/15 und X ZR 118/15) hervor.

Audi-Käufer dürfen aufgrund manipulierter Abgaswerte vom Kaufvertrag zurücktreten

Ein erworbenes Fahrzeug der Marke Audi ist mangelhaft, wenn dieses mit einer manipulierten Software ausgestattet ist. Ein solcher Mangel berechtigt den Käufer dazu, vom Kaufvertrag rechtswirksam zurückzutreten und die Rückerstattung des Kaufpreises zu verlangen. Weil dem Käufer hierbei eine Nacherfüllung nicht zugemutet werden kann, spielt eine etwaige Fristsetzung zur Nacherfüllung keine Rolle. Darüber hinaus ist ein derartiger Sachmangel als erheblich einzustufen. So lauten die Urteile des Krefelder Landgerichts vom 14.09.2016 (Az.: 2 O 72/16 und 2 O 83/16).

Verbrauchern steht ein makelloser Neuwagen zu

Besteht bei der Auslieferung eines Neufahrzeugs auch nur ein geringfügiger Lackschaden, darf der Käufer die Abnahme sowie Zahlung des Autos verweigern. Denn wer ein Neuwagen kauft, darf ein mangelfreies Fahrzeug erwarten. Jedenfalls muss der Autoverkäufer für die Reparaturkosten aufkommen, wenn der Schaden entdeckt wird. Dies geht aus einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 26.10.2016 (Az.: VIII ZR 211/15) hervor.

VW-Fahrzeugkäufer darf aufgrund falscher Abgaswerte vom Vertrag zurücktreten

Der Skandal um die manipulierten Abgaswerte bei VW-Fahrzeugen beschäftigt inzwischen auch die deutschen Gerichte. Mit Urteil vom 12.10.2016 (Az.: 4 O 202/16) hat das Braunschweiger Landgericht einer Klage im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal stattgegeben. Als einen unerheblichen Mangel sahen die Richter diese Abweichung vom Kaufvertrag nicht an.

Kunde hat Mehrkosten für Umbuchung auf Ersatz-Reisenden zu tragen

Wer kurz vor seiner Pauschalreise krank wird, hat das Recht, eine andere Person in den Urlaub zu schicken. Diese Übertragung der Reiseleistung muss durch die Reiseleitung ermöglicht werden. Die hierbei anfallenden Mehrkosten müssen allerdings vom Kunden getragen werden, nicht vom Reiseveranstalter. Dies geht aus zwei Urteilen des Bundesgerichtshofs vom 27.09.2016 (Az.: X ZR 107/15 und X ZR 141/15) hervor.

Ausgleichszahlung bei Erkrankung eines Crewmitglieds und Reduzierung der Passagierzahl

Führt die Erkrankung eines Flugbegleiters sowie die aus Sicherheitsgründen damit einhergehende Reduzierung der Fluggäste dazu, dass ein Passagier nicht befördert wird, so muss die Airline gemäß der Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung leisten. Auf einen außergewöhnlichen Umstand, der einen Anspruch des Fluggastes ausschließen würde, kann sich die Fluggesellschaft nicht berufen. So lautet das Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichts vom 14.08.2015 (Az.: 37 C 15236/14).

Im Vorjahr produzierter Mercedes gilt als Neufahrzeug

Ab welchem Zeitpunkt verliert ein Auto seinen Status als Neufahrzeug? Mit dieser Frage hatte sich das Oberlandesgericht Hamm zu befassen. Mit Urteil vom 16.08.2016 (Az.: 28 U 140/15) hat das Gericht entschieden, dass ein im Jahre 2011 produzierter Mercedes auch im Jahre 2012 noch als Neufahrzeug verkauft werden darf. Entscheidend ist, dass die Jahresfrist noch nicht abgelaufen ist.

Baulärm und Ungeziefer begründen Reisepreisminderung

Mangelnde Hygiene, Käfer, Baulärm, spärliches Buffet - In einem Hotel ist die Liste möglicher Mängel lang. Muss ein Urlauber aus solchen Gründen das Hotel wechseln, muss der Reiseveranstalter die Kosten für diesen Umzug übernehmen. Darüber hinaus darf der Reisende auch eine Reisepreisminderung verlangen. So lautet das Urteil des Münchener Amtsgerichts vom 06.04.2016 (Az.: 274 C 18111/15).

Anspruch auf Ausgleichszahlung bei Beschädigung des Flugzeugs durch Fahrzeug

Kollidiert ein wegrollendes Fahrzeug des Flughafenbetreibers mit einem geparkten Flugzeug und führt dies zu einer Verspätung, so ist die Airline gegenüber den Passagieren zur Ausgleichszahlung verpflichtet. Ein außergewöhnlicher Umstand, welcher eine Entschädigung durch die Airline ausschließen würde, liegt nicht vor. Dies geht aus einer Entscheidung des Landgerichts Frankfurt a.M. vom 25.06.2015 (Az.: 2-24 S 51/15) hervor.

Kein Schadenersatz bei verpasster Überfahrt mit Fähre

Mit Urteil vom 30.06.2016 (Az.: 213 C 3921/16) hat das Amtsgericht München entschieden, dass eine Fährverbindung in der Regel keine Pauschalreise darstellt. Dies gilt selbst dann, wenn der Kunde neben der Mitnahme seines Fahrzeugs auch eine Kabine für sich bucht. Denn der Fährfahrt fehle es an dem erforderlichen Urlaubscharakter.

Entschädigung wegen Flugverspätung aufgrund eingestellter Betankung ist rechtens

Wird anlässlich eines Gewitters der Betankungsvorgang eines Flugzeugs eingestellt und kommt es deshalb zu einer erheblichen Flugverspätung, so steht dem Passagier ein Anspruch auf Ausgleichszahlung zu. Denn in einem solchen Fall kann sich das Luftfahrtunternehmen nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen. Dies geht aus einem Urteil des Kölner Amtsgerichts vom 17.02.2016 (Az.: 114 C 208/15) hervor.

Privater Grundstücksbesitzer darf falsch geparktes Fahrzeug abschleppen lassen

In der Regel ist der Besitzer eines Privatgrundstücks dazu berechtigt, einen Falschparker sofort abschleppen zu lassen. Ist die Maßnahme notwendig um die Besitzstörung zu beenden, so spielt die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme keine Rolle und braucht demnach vorab nicht zwingend geprüft zu werden. So lautet das Urteil des Münchener Amtsgericht vom 02.05.2016 (Az.: 122 C 31597/15).

Höhe der Entschädigung bei Flugverspätung richtet sich nach der Distanz zwischen den Flughäfen

Bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden sieht die Fluggastrechteverordnung (FluggastVO) eine Ausgleichzahlung vor. Deren Höhe ist hierbei nach der Großkreismethode zu bestimmen, die auf der unmittelbaren Entfernung zwischen Abflughafen und Zielflughafen abstellt. Unberücksichtigt bleiben dabei die zurückgelegten Flugstrecken zu Umsteigeflughäfen. Dies geht aus einer Entscheidung des Landgerichts Landshut vom 16.12.2015 (Az.: 13 S 2291/15) hervor.

Kein Sachmangel am Kfz bei einer zwölf Monate überschreitenden Standzeit

Die Bundesrichter in Karlsruhe hatten sich mit der Frage zu befassen, ob ein 28 Monate nach seiner Erstzulassung veräußertes Gebrauchtfahrzeug mangelhaft ist, wenn der Wagen zwischen Produktion und Erstzulassung eine Standzeit von über zwölf Monaten aufweist. Mit Urteil vom 29.06.2016 (Az.: VIII ZR 191/15) verneinte das Bundesgericht diese Frage.

Reisepreisminderung aufgrund von Maschinengeräuschen während einer Kreuzfahrt nicht gerechtfertigt

Anbieter von Kreuzfahrten versprechen immer wieder Entspannung und Erholung während ihrer Schiffstouren. Doch was gilt, wenn sie ihr Versprechen aufgrund von Lärmbeeinträchtigungen während des An- und Ablegens durch Ankervorrichtung und Bugstrahlruders nicht halten können? Sofern in einem solchen Fall der Lärm über das gewöhnliche Maß hinausgeht, darf der Urlauber eine Reisepreisminderung verlangen. Dies geht aus einem Urteil des Rostocker Amtsgericht vom 25.09.2015 (Az.: 47 C 76/15) hervor.

Zuteilung einer Schiffskabine ohne Balkon rechtfertigt Reisepreisminderung

Erhält der Passagier eines Kreuzfahrtschiffes entgegen seiner Buchung keine Balkon- sondern eine Außenkabine ohne Balkon, so hat er einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises. Dies gilt selbst dann, wenn die neue Kabine mit einem höheren Komfort einhergeht und demnach ein Upgrade darstellt. Der Reiseveranstalter ist zum Austausch der Kabinen auch dann nicht berechtigt, wenn ein vertraglicher Leistungsänderungsvorbehalt vereinbart gilt. Dies geht aus einem Urteil des Rostocker Amtsgerichts vom 16.10.2015 (Az.: 47 C 180/15) hervor.

Unzureichende Zahl an Schlafgelegenheiten begründet Reisepreisminderung

Bucht ein Mann für sich, seine Frau sowie seine beiden Töchter ein Familienzimmer für vier Personen, so müssen auch ausreichend Betten zur Verfügung stehen. Stellt sich vor Ort heraus, dass lediglich drei Schlafplätze verfügbar sind, kann dem Kunden ein Anspruch auf Reisepreisminderung und Schadenersatz zustehen. Dies geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Hannover vom 22.05.2015 (Az.: 562 C 12747/14) hervor.

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