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Miete und Eigenheim

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Aktuelle Informationen zu Begründung, Durchführung und Kündigung von Mietverhältnissen über Wohnraum sowie Finanzierung, Unterhaltung und Veräußerung von Wohneigentum.
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Mieter dürfen Mietkaution nicht abwohnen

Mietern ist es untersagt, die monatlichen Mietzahlungen mit einer geleisteten Kaution aufzurechnen. Denn eine solche eigenmächtige Vorgehensweise des Mieters hebelt zu Lasten des Vermieters den Sicherungszweck der Kautionsvereinbarung aus. Dies hat das Münchener Amtsgericht mit Urteil vom 05.04.2016 (Az.: 432 C 1707/16) entschieden.

Vermieter darf bei Untervermietung nicht gleich kündigen

Bietet ein Mieter seine Wohnung ohne Genehmigung über ein Portal an, darf der Vermieter das Mietverhältnis nicht sofort aufgrund unbefugter Gebrauchsüberlassung kündigen. Denn die Kündigung ist grundsätzlich nur nach einer erfolglosen Abmahnung wirksam. So lautet das Urteil des Berliner Landgerichts vom 27.07.2016 (Az.: 67 S 154/16).

Mieter muss Wohnung nicht wegen Rauchbelästigung räumen

Ein Mieter muss seine Wohnung trotz Dauerqualmens nicht grundsätzlich räumen. Dies geht aus dem Urteil des Düsseldorfer Landgerichts vom 28.09.2016 (Az.: 23 S 18/15) hervor, nachdem der Fall sogar zwischenzeitlich vor dem Bundesgerichtshof verhandelt worden war.

In welchen Fällen der Mieter einer WG abgelehnt werden kann

Wohngemeinschaften sind dazu berechtigt, die Auswechslung einzelner Mieter zu verlangen. Dem kann ein Vermieter nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes widersprechen, etwa bei fehlender Solvenz des Mieters. Dies geht aus einer Entscheidung des Landgerichts Berlin vom 23.03.2016 (Az.: 65 S 314/15) hervor.

Verkaufsabsichten rechtfertigen eine Eigenbedarfskündigung nicht grundsätzlich

Als aufgeschoben ist die Kündigung eines Wohnraums aufgrund Eigenbedarf dann anzusehen, wenn ein Vermieter bereits seit längerer Zeit Verkaufsabsichten hegt und der Eigenbedarfsperson die Wohnung zur Miete überlässt - wohlwissend dass er diese Person bei Verkauf der Wohnung ohne Schwierigkeiten zum Auszug bewegen kann. In diesem Fall ist es auch unerheblich, ob der neue Mieter die Verkaufsabsichten seines Vermieters kennt. So lautet die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 10.05.2016 (Az.: VIII ZR 214/15).

Auch wenn der Mieter mit Strom heizt muss er anteilige Zentralheizungskosten trotzdem tragen!

Das Landgericht Ellwangen entschied wie folgt: Eine Betriebskostenabrechnung ist dann ordnungsgemäß, wenn sie den allgemeinen Anforderungen des § 259 BGB entspricht, also eine geordnete Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben enthält. Die Angaben in der Betriebskostenabrechnung müssen es dem Mieter ermöglichen, die zur Verteilung anstehenden Kostenpositionen zu erkennen und den auf ihn entfallenden Anteil an diesen Kosten gedanklich und rechnerisch nachzuprüfen. Bei einer Abrechnung der Heizkosten nach § 7 Abs. 1 Satz 3 Heizkostenverordnung, also nach Rohrwärmeeinheiten, berührt es die formelle Ordnungsgemäßheit der Abrechnung nicht, dass der Vermieter zwar auf die VDI-Richtlinie 2077, die mathematisch-technische Methoden zur Heizkostenermittlung und -verteilung beschreibt, hingewiesen hat, jedoch deren technische Anwendungsvoraussetzungen nicht (vollständig) mitgeteilt hat. Der formellen Ordnungsgemäßheit steht nicht entgegen. wenn der Vermieter den Anteil der Niedrigverbraucher sowie die Standardabweichung nicht wiedergibt. Der Vermieter muss auch nicht darlegen und erläutern, auf welche Weise er die als Verbrauchswerte der Wohnung anzusetzenden Werte im Einzelnen ermittelt hat. Es bedarf insoweit keiner weiteren Angaben, anhand derer der Mieter die materielle Richtigkeit der für seine Wohnung angesetzten Werte im Einzelnen nachvollziehen kann, denn damit würde die Abrechnung überfrachtet. Der Umstand, dass der Mieter die Wohnung mit einer strombetriebenen Infrarotheizung beheizte, führte nicht zu einem Entfallen der zulässig umgelegten Kosten für Heizung, Wasser und Kaltwasser.

(LG Ellwangen, Urteil vom 10.06.2016 – 1 S 159/13)

Einwendungsausschluss umfasst auch zu geringe Betriebskostenvorauszahlung!

Das LG München I hatte folgenden Fall zu entscheiden: Der Vermieter nahm den Mieter auf Zahlung eines Betriebskostensaldos in Anspruch. Seine Betriebskostenabrechnung berücksichtigte dabei aber nicht alle durch den Mieter geleisteten Vorauszahlungen. Die entsprechende Einwendung wurde vom Mieter aber erst nach Ablauf der Einwendungsfrist des § 556 Abs. 3 S. 5 BGB erhoben.

Anwendung Mietspiegel bei Reihenhaus trotz Nichtanwendungshinweis zulässig

Es ist allgemein bekannt, dass eine Mieterhöhung unter Zugrundelegung eines qualifizierten Mietspiegels begründet werden kann. Kompliziert wird es dann, wenn im Mietspiegel für das entsprechende Reihenhaus ein Ausschluss enthalten ist. Mit Urteil vom 26.04.2016 (Az.: VIII ZR 54/15) hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass dieser Mietspiegel dennoch angewandt werden kann. Voraussetzung ist nur, dass sich die erhobene Miete für das Einfamilienhaus innerhalb der Mietpreisspanne für ein Mehrfamilienhaus bewegt.

Müllberg eines Abfalleimers muss vom Grundstückseigentümer entsorgt werden

Ein Grundstückseigentümer muss den Müll, der sich in seinem Garten monatelang zu einem zwei bis drei Meter hohen Müllberg angesammelt hat, entsorgen lassen. So lautet das Urteil des Verwaltungsgerichts Münster vom 24.08.2016 (Az.: 7 L 1222/16) in einem vorläufigen Rechtsschutzverfahren. Damit bestätigte das Gericht die Aufforderung der Stadt Münster.

Auch bei nicht umlagefähigen Betriebskosten müssen Einwendungen fristgerecht erfolgen

Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch hat ein Mieter nach Erhalt der Betriebskostenabrechnung 12 Monate Zeit, um dagegen Einwendungen zu erheben. Dies gilt aber nicht nur dann, wenn die Abrechnung vermeintlich zu hohe Aufwendungen aufweist. Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11.05.2016 (Az.: VIII ZR 209/15), umfasst die Einwendungsfrist auch solche Kosten, die vom Vermieter nicht umgelegt werden dürfen.

Bezug und Zahlung einer Wohneigentumsanlage besiegelt Abnahme

Werden Eigentumswohnungen bezogen und vollständig bezahlt, gilt die erbaute Wohneigentumsanlage als konkludent abgenommen. Wurde eine förmliche Abnahme vereinbart, so verdrängt die stillschweigende Abnahme durch Bezug und Kaufpreiszahlung diese Vereinbarung. So lautet das Urteil des Oberlandesgerichts Bamberg vom 09.12.2015 (Az.: 8 U 23/15).

Absicht zum Aufstellen eines Baugerüsts kann Unterlassungsanspruch begründen

Besitzt ein Vermieter die konkrete und ernsthafte Absicht, ein Baugerüst aufstellen zu lassen, kann dies eine Besitzstörung für den Mieter darstellen. Wird das Gerüst allerdings für den Neubau von Wohnungen oder für Modernisierungsarbeiten benötigt, gilt dies jedoch nicht. So lautet das Urteil des Berliner Landgerichts vom 20.04.2016 (Az.: 65 S 424/15).

Stillgelegter Müllschlucker rechtfertigt keine Modernisierungsmieterhöhung

Nimmt ein Vermieter die Schließung eines Müllschluckers vor, so ist hierin keine Modernisierung sondern eine Änderung der Vermieterpflichten zu sehen. Weil es sich somit nur um die Stilllegung einer Müllabwurfanlage handelt, ist eine Modernisierungsmieterhöhung nicht zulässig. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Berlin-Neukölln vom 07.06.2016 (Az.: 11 C 314/15).

Grundsatz "Kauf bricht nicht Miete" setzt Besitz der Mietsache voraus

Der im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelte Grundsatz "Kauf bricht nicht Miete" besitzt nur dann Gültigkeit, wenn der Mieter den Besitz und damit die tatsächliche Sachherrschaft über die Mietsache ausübt. In den Mietvertrag mit dem Mieter tritt der neue Erwerber dieser Mietsache nicht ein, wenn es an dem Besitz fehlt. So lautet das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 05.04.2016 (Az.: VIII ZR 31/15).

Mieter darf Mietverhältnis nicht wegen zu Recht untersagter Untervermietung kündigen

Ein Mieter ist nicht zu einer fristlosen Kündigung des Mietverhältnisses berechtigt, wenn der Vermieter eine Untervermieterlaubnis zu Recht verweigert. Darüber hinaus führt das Abwälzen von Schönheitsreparaturen nach starren Fristen selbst bei vermieteten Gewerberäumen zur Unwirksamkeit der entsprechenden Klausel. Dies geht aus dem Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichts vom 16.02.2016 (Az.: I-24 U 63/15) hervor.

Änderung einer Miet- in eine Ferienwohnung erfordert Baugenehmigung

Soll eine gewöhnliche Mietwohnung zukünftig als Ferienwohnung genutzt werden, so liegt eine eigenständige und demnach genehmigungspflichtige Nutzungsart vor. Geht eine derartige Genehmigung nicht ein und wird die Wohnung dennoch als Ferienwohnung genutzt, so darf die zuständige Baubehörde eine derartige Nutzung untersagen. Dies geht aus einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 30.05.2016 (Az.: OVG 10 S 34.14) hervor.

Neueigentümer muss für verlorenen Schlüssel des ehemaligen Mieters aufkommen

Entscheiden sich die Wohnungseigentümer eines Wohnhauses aufgrund des Schlüsselverlustes durch den Mieter eines Voreigentümers für die Erneuerung der Schließanlage, so muss der neue Eigentümer die Kosten übernehmen. Dies gilt zumindest dann, wenn ein entsprechender Beschluss der Eigentümerversammlung hierzu vorliegt. So lautet das Urteil des Hamburger Landgerichts vom 10.03.2016 (Az.: 318 S 79/15).

Maklergebühr für Besichtigung der Wohnung ist unzulässig

Angesichts der vorherrschenden Wohnungsknappheit in vielen Ballungsgebieten sind zahlreiche Wohnungssuchende bereit, mehr Geld auszugeben als angebracht wäre. Diese Situation nutzen einige Makler aus, um allein für die Besichtigung einer Wohnung eine Mahlergebühr zu erheben. Das Landgericht Stuttgart sah hierin eine unzulässige Umgehung des Bestellerprinzips und untersagte dem Makler mit Urteil vom 15.06.2016 (Az.: 38 O 10/16 KfH) diese Praxis.

Vermietung von Einzelzimmern im Einfamilienhaus nicht zu beanstanden

Wer in seinem Einfamilienhaus einzelne Zimmer vermietet, verstößt selbst in einem reinen Wohngebiet nicht gegen Nachbarschaftsrechte. Demzufolge ist die Nutzung eines Wohngebäudes durch bis zu zwölf Mietern zulässig. Dies geht aus einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Trier vom 15.06.2016 (Az.: 5 K 394/16.TR) hervor.

Mietminderung wegen Lärm durch Bauarbeiten ist angemessen

Der Baulärm in Deutschland hat erhebliche Nebenwirkungen. Wird die benachbarte Baustelle zum Ärgernis, so braucht der Mieter diesen Zustand nicht einfach hinzunehmen. Mit Urteil vom 16.06.2016 (Az.: 67 O 76/16) hat das Berliner Landgericht entschieden, dass erhebliche Bauimmissionen für die Dauer der Bauarbeiten eine Mietminderung rechtfertigen.

BGH: Keine Minderung bei fehlender Baugenehmigung!

Öffentlich-rechtliche Nutzungsbeschränkungen vermieteter Wohnräume berechtigen den Mieter nicht zur Mietminderung, wenn deren Nutzbarkeit mangels Einschreitens der zuständigen Behörde nicht eingeschränkt ist.
(BGH, Urteil vom 16.09.2009)

LG Berlin: Zur Höhe der Mietminderung

Die Mietminderung ist nicht nach einem formelmäßigen Bewertungsschema zu ermitteln, bei dem die Wohnwerte mit dem Faktor der Wertminderung scheinbar mathematisch exakt verknüpft werden; das Gericht hat vielmehr den Gebrauchswert der Räume und deren Beeinträchtigung im Einzelfall zu bestimmen.
Angemessene Minderung der Gesamtmiete bei folgenden Mängeln: nasse Wand in der Küche mit Schimmelbildung 15 %, mangelhafte Verfugung im Bad 4 %, schadhafte Wasserschenkel an der Balkontür 1 %, umfangreiche Arbeiten in der Wohnung mit Ausfall der Wasserversorgung, Lärm durch Trocknungsgeräte und Bauschutt 75 %.
(LG Berlin, Urteil vom 15.10.2010)

BGH: Anspruch auf Elektrizitätsversorgung

Der Mieter hat grundsätzlich Anspruch auf eine Elektrizitätsversorgung, die zumindest den Betrieb eines größeren Haushaltsgeräts wie einer Waschmaschine und gleichzeitig weiterer haushaltsüblicher Geräte wie zum Beispiel eines Staubsaugers ermöglicht. Auf eine unterhalb dieses Mindeststandards liegende Beschaffenheit kann der Mieter nur bei eindeutiger Vereinbarung verwiesen werden. Dem genügt eine Formularklausel, nach der der Mieter in der Wohnung Haushaltsmaschinen nur im Rahmen der Kapazität der vorhandenen Installation aufstellen darf, nicht.
(BGH, Urteil vom 10.02.2010)

BGH: Lärmprotokoll nicht notwendig!

Zur Darlegung wiederkehrender Beeinträchtigungen des Mietgebrauchs genügt eine Beschreibung, aus der sich ergibt, um welche Art von Beeinträchtigungen (Partygeräusche, Musik, Lärm durch Putzkolonnen auf dem Flur o.ä.) es geht, zu welchen Tageszeiten, über welche Zeitdauer und in welcher Frequenz diese ungefähr auftreten; der Vorlage eines „Protokolls“ bedarf es nicht.
(BGH, Urteil vom 29.02.2012)

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