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Miete und Eigenheim

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Aktuelle Informationen zu Begründung, Durchführung und Kündigung von Mietverhältnissen über Wohnraum sowie Finanzierung, Unterhaltung und Veräußerung von Wohneigentum.
 © Thorben Wengert / PIXELIO  

Strafanzeige gegen Vermieter berechtigt nicht zur Kündigung

Ein Vermieter darf seinen Mieter nicht vor die Tür setzen, weil dieser Strafanzeige gegen ihn erhebt. Dies gilt zumindest dann, wenn den Mieter wahre oder aus seiner Sicht möglicherweise wahre Tatsachen zur Strafanzeige veranlassen und dieser zur Wahrung seiner Interessen handelt. Ein Kündigungsrecht ergebe sich hieraus laut Urteil des Münchener Amtsgerichts vom 24.02.2016 (Az.: 424 C 21138/15) nicht.

Vermieter darf Kündigung des Mietverhältnisses für vier Jahre ausschließen

Eine Kündigung kann über eine Klausel im Mietvertrag ausgeschlossen werden, sofern sie eine ordentliche Kündigung bis zum Ablauf von vier Jahren exkludiert. Eine derartige Regelung stelle keine unangemessene Benachteiligung des Mieters dar. So lautet das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 23.08.2016 (Az.: VIII ZR 23/16).

Mieter muss Kündigung aufgrund Taubenfütterung hinnehmen

Lassen Mieter trotz mehrfacher Abmahnung ihres Vermieters nicht davon ab, an jedem Tag in der Woche mehrere Tauben zu füttern, kann diesen außerordentlich gekündigt werden. In einem solchen Fall darf sich der Bewohner nicht dem .Willen seines Vermieters widersetzen. Dies geht aus einem Urteil des Nürnberger Amtsgerichts vom 08.04.2016 (Az.: 14 C 7772/15) hervor.

Unerlaubte Stromentnahme rechtfertigt nicht grundsätzlich eine Kündigung des Vermieters

Stromdiebstahl ist in aller Regel Grund genug für eine Kündigung. Es kann sich aber auch so verhalten, dass der Mieter deswegen unerlaubt Strom aus dem Treppenhaus bezieht, weil es in seiner Wohnung zu einem Stromausfall kam und der Vermieter trotz Kenntnis dieses Mangels nicht für Abhilfe sorgt. Dem Vermieter ist es überdies nicht gestattet, die Beseitigung dieses Mangels vom Ausgleich noch offener Forderungen abhängig zu machen. So lautet das Urteil des Berliner Landgerichts vom 19.07.2016 (Az.: 18 S 330/15).

Mieter hat Anspruch auf Ersatz der Stromkosten nach einem Wasserschaden

Hat ein Vermieter einen Wasserschaden verschuldet und wird deshalb zum Zwecke der Trocknung die Einhausung eines Server-Racks im betreffenden Raum erforderlich, so sind die Kosten für die Kühlung des Servers vom diesem zu übernehmen. Unerheblich dabei ist, dass die Stromkosten aufgrund der langandauernden Arbeiten sehr hoch ausfallen. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Berlin Tempelhof-Kreuzberg vom 17.03.2016 (Az.: 8 C 285/15).

Nur vollständiger Ausgleich des Mietrückstandes macht fristlose Kündigung des Mietvertrags unwirksam

Erhält ein Mieter von seinem Vermieter eine Kündigung wegen Zahlungsverzug, so wird die Kündigung lediglich dann unwirksam, wenn die ausstehenden Mieten vollständig beglichen werden. Sofern jedoch eine Restforderung verbleibt, kann der Vermieter mit Erfolg auf Räumung der Wohnung klagen. So lautet das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 24.08.2016 (Az.: VIII ZR 261/15).

Legionellenuntersuchung ist eine Sache aller Wohnungseigentümer

Anhand eines Mehrheitsbeschlusses kann eine Wohnungseigentümergemeinschaft festlegen, dass die Kosten einer Trinkwasseruntersuchung von allen Wohnungseigentümern zu übernehmen sind, jeweils in Abhängigkeit der jeweiligen Wohnungseinheit. Dabei ist es unerheblich, ob die Wohnung vom Eigentümer selbst oder von einem Mieter bewohnt wird. So lautet das Urteil des Landgerichts Saarbrücken vom 18.12.2015 (Az.: 5 S 17/15).

Wann die Widerrufsbelehrung bei Immobiliendarlehensverträgen wirksam ist

Unter welchen Voraussetzungen ist eine verständliche sowie klare Belehrung des Kunden über den Beginn der Widerrufsfrist gegeben? Hierüber hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 22.11.2016 (Az.: XI ZR 434/15) entschieden.

Messdienstleister haftet gegenüber Vermieter für fehlerhafte Abrechnung

Werden die Warmwasser- und Heizkosten durch einen Energiedienstleister fehlerhaft abgerechnet, so darf der Vermieter von diesem Schadenersatz fordern. Schließlich entsteht dem Vermieter dadurch ein Schaden, dass er einigen Mietern nach der Abrechnungskorrektur überzahlte Beträge erstatten, zugleich aber von anderen Mietern zu wenig gezahlte Beträge nicht mehr nachfordern kann. So lautet das Urteil des Berliner Kammergerichts vom 01.07.2016 (Az.: 14 U 23/15).

"Unverzüglich" ist als Frist zur Mängelbeseitigung ausreichend

Macht ein Käufer hinreichend deutlich, dass er die Beseitigung eines Mangels umgehend verlangt, bedarf es hinsichtlich der Frist keiner näheren zeitlichen Bestimmung. Ein Verkäufer weiß dann, wie viel Zeit ihm zur Nachbesserung bleibt. Der Verbraucher müsse lediglich deutlich machen, dass Verkäufer zur Mängelbeseitigung nicht ewig Zeit haben. So lautet das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13.07.2016 (Az.: VIII ZR 49/15).

Lärm durch neu eröffnetes Hotel rechtfertigt Mietminderung

Kommt es im Anschluss an den Abschluss eines Mietvertrages aufgrund der Neueröffnung eines Hotels zu erheblichen Lärmbelästigungen in einem Hinterhof, so kann dies eine Mietminderung rechtfertigen. Diese kann sogar ein Fünftel der Mietzahlung ausmachen. So lautet das Urteil des Berliner Landgerichts vom 11.08.2016 (Az.: 67 S 162/16).

LG Berlin: Schimmelproblematik - wie oft muss man lüften?

Nach auffassung des LG Berlin kann es von einem Mieter verlangt werden, dass dieser zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden die Mietwohnung bis zu dreimal am Tag lüftet, und zwar einmal morgens, einmal am frühen Abend und einmal kurz vor dem Schlafengehen. Jegliches darüber hinausgehende Lüftungserfordernis (hier: sechs- bis achtmaliges Stoßlüften) entspricht nicht mehr dem üblichen Mietgebrauch und ist einem Mieter auch nicht zumutbar. 
(LG Berlin, Urteil vom 15.04.2916)

BGH: Behörde ist nicht Erfüllungsgehilfe des Mieters!

Eine Behörde, die im Rahmen der Daseinsvorsorge staatliche Transferleistungen erbringt, wird nach Auffassung des BGH nicht als Erfüllungsgehilfe des Mieters tätig, wenn sie für ihn die Miete an den Vermieter zahlt.

Immobilienanzeige muss Pflichtangaben gemäß Energieeinsparverordnung enthalten

Veröffentlicht ein Verpächter, Vermieter oder Verkäufer eine Immobilienanzeige ohne hierbei die Pflichtangaben nach der Energieeinsparverordnung zu beachten, so handelt dieser wettbewerbswidrig. Bei Anzeigen für Mietwohnungen kann es allerdings auch für Makler Pflicht sein, entsprechende Angaben zu dem im Energieausweis genannten Baujahr, zum wesentlichen Energieträger sowie zur Art des Energieausweises zu machen. So lauten die Urteile des Oberlandesgerichts Hamm vom 30.08.2016 (Az.: 4 U 8/16) sowie vom 04.08.2016 (Az.: 4 U 137/15).

Mieter dürfen Mietkaution nicht abwohnen

Mietern ist es untersagt, die monatlichen Mietzahlungen mit einer geleisteten Kaution aufzurechnen. Denn eine solche eigenmächtige Vorgehensweise des Mieters hebelt zu Lasten des Vermieters den Sicherungszweck der Kautionsvereinbarung aus. Dies hat das Münchener Amtsgericht mit Urteil vom 05.04.2016 (Az.: 432 C 1707/16) entschieden.

Vermieter darf bei Untervermietung nicht gleich kündigen

Bietet ein Mieter seine Wohnung ohne Genehmigung über ein Portal an, darf der Vermieter das Mietverhältnis nicht sofort aufgrund unbefugter Gebrauchsüberlassung kündigen. Denn die Kündigung ist grundsätzlich nur nach einer erfolglosen Abmahnung wirksam. So lautet das Urteil des Berliner Landgerichts vom 27.07.2016 (Az.: 67 S 154/16).

Mieter muss Wohnung nicht wegen Rauchbelästigung räumen

Ein Mieter muss seine Wohnung trotz Dauerqualmens nicht grundsätzlich räumen. Dies geht aus dem Urteil des Düsseldorfer Landgerichts vom 28.09.2016 (Az.: 23 S 18/15) hervor, nachdem der Fall sogar zwischenzeitlich vor dem Bundesgerichtshof verhandelt worden war.

In welchen Fällen der Mieter einer WG abgelehnt werden kann

Wohngemeinschaften sind dazu berechtigt, die Auswechslung einzelner Mieter zu verlangen. Dem kann ein Vermieter nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes widersprechen, etwa bei fehlender Solvenz des Mieters. Dies geht aus einer Entscheidung des Landgerichts Berlin vom 23.03.2016 (Az.: 65 S 314/15) hervor.

Verkaufsabsichten rechtfertigen eine Eigenbedarfskündigung nicht grundsätzlich

Als aufgeschoben ist die Kündigung eines Wohnraums aufgrund Eigenbedarf dann anzusehen, wenn ein Vermieter bereits seit längerer Zeit Verkaufsabsichten hegt und der Eigenbedarfsperson die Wohnung zur Miete überlässt - wohlwissend dass er diese Person bei Verkauf der Wohnung ohne Schwierigkeiten zum Auszug bewegen kann. In diesem Fall ist es auch unerheblich, ob der neue Mieter die Verkaufsabsichten seines Vermieters kennt. So lautet die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 10.05.2016 (Az.: VIII ZR 214/15).

Auch wenn der Mieter mit Strom heizt muss er anteilige Zentralheizungskosten trotzdem tragen!

Das Landgericht Ellwangen entschied wie folgt: Eine Betriebskostenabrechnung ist dann ordnungsgemäß, wenn sie den allgemeinen Anforderungen des § 259 BGB entspricht, also eine geordnete Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben enthält. Die Angaben in der Betriebskostenabrechnung müssen es dem Mieter ermöglichen, die zur Verteilung anstehenden Kostenpositionen zu erkennen und den auf ihn entfallenden Anteil an diesen Kosten gedanklich und rechnerisch nachzuprüfen. Bei einer Abrechnung der Heizkosten nach § 7 Abs. 1 Satz 3 Heizkostenverordnung, also nach Rohrwärmeeinheiten, berührt es die formelle Ordnungsgemäßheit der Abrechnung nicht, dass der Vermieter zwar auf die VDI-Richtlinie 2077, die mathematisch-technische Methoden zur Heizkostenermittlung und -verteilung beschreibt, hingewiesen hat, jedoch deren technische Anwendungsvoraussetzungen nicht (vollständig) mitgeteilt hat. Der formellen Ordnungsgemäßheit steht nicht entgegen. wenn der Vermieter den Anteil der Niedrigverbraucher sowie die Standardabweichung nicht wiedergibt. Der Vermieter muss auch nicht darlegen und erläutern, auf welche Weise er die als Verbrauchswerte der Wohnung anzusetzenden Werte im Einzelnen ermittelt hat. Es bedarf insoweit keiner weiteren Angaben, anhand derer der Mieter die materielle Richtigkeit der für seine Wohnung angesetzten Werte im Einzelnen nachvollziehen kann, denn damit würde die Abrechnung überfrachtet. Der Umstand, dass der Mieter die Wohnung mit einer strombetriebenen Infrarotheizung beheizte, führte nicht zu einem Entfallen der zulässig umgelegten Kosten für Heizung, Wasser und Kaltwasser.

(LG Ellwangen, Urteil vom 10.06.2016 – 1 S 159/13)

Einwendungsausschluss umfasst auch zu geringe Betriebskostenvorauszahlung!

Das LG München I hatte folgenden Fall zu entscheiden: Der Vermieter nahm den Mieter auf Zahlung eines Betriebskostensaldos in Anspruch. Seine Betriebskostenabrechnung berücksichtigte dabei aber nicht alle durch den Mieter geleisteten Vorauszahlungen. Die entsprechende Einwendung wurde vom Mieter aber erst nach Ablauf der Einwendungsfrist des § 556 Abs. 3 S. 5 BGB erhoben.

Anwendung Mietspiegel bei Reihenhaus trotz Nichtanwendungshinweis zulässig

Es ist allgemein bekannt, dass eine Mieterhöhung unter Zugrundelegung eines qualifizierten Mietspiegels begründet werden kann. Kompliziert wird es dann, wenn im Mietspiegel für das entsprechende Reihenhaus ein Ausschluss enthalten ist. Mit Urteil vom 26.04.2016 (Az.: VIII ZR 54/15) hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass dieser Mietspiegel dennoch angewandt werden kann. Voraussetzung ist nur, dass sich die erhobene Miete für das Einfamilienhaus innerhalb der Mietpreisspanne für ein Mehrfamilienhaus bewegt.

Müllberg eines Abfalleimers muss vom Grundstückseigentümer entsorgt werden

Ein Grundstückseigentümer muss den Müll, der sich in seinem Garten monatelang zu einem zwei bis drei Meter hohen Müllberg angesammelt hat, entsorgen lassen. So lautet das Urteil des Verwaltungsgerichts Münster vom 24.08.2016 (Az.: 7 L 1222/16) in einem vorläufigen Rechtsschutzverfahren. Damit bestätigte das Gericht die Aufforderung der Stadt Münster.

Auch bei nicht umlagefähigen Betriebskosten müssen Einwendungen fristgerecht erfolgen

Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch hat ein Mieter nach Erhalt der Betriebskostenabrechnung 12 Monate Zeit, um dagegen Einwendungen zu erheben. Dies gilt aber nicht nur dann, wenn die Abrechnung vermeintlich zu hohe Aufwendungen aufweist. Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11.05.2016 (Az.: VIII ZR 209/15), umfasst die Einwendungsfrist auch solche Kosten, die vom Vermieter nicht umgelegt werden dürfen.

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