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Krankgeschriebener Angestellter darf an Vorstellungsgespräch teilnehmen

 

Nimmt ein Arbeitnehmer trotz Krankschreibung an einem Bewerbungsgespräch teil, rechtfertigt dies nicht zwangsläufig die Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Ausschlaggebend ist grundsätzlich die Art der Erkrankung. Diese Entscheidung traf das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern in seinem Urteil vom 5. März 2013 (Az.: 5 Sa 106/12).

 

Sachverhalt

Nachdem Verhandlungsgespräche zur Übernahme der Geschäftsführung im eigenen Betrieb erfolglos geblieben waren, bewarb sich ein Abteilungsleiter eines Sanitätsfachhandels in einer gemeinnützigen städtischen Gesellschaft um die Position des Geschäftsführers. Die aussichtsreichsten Bewerber wurden eingeladen, sich am 22. August 2011 öffentlich in der Bürgerschaft vorzustellen. Obwohl der Abteilungsleiter in der Zeit vom 8. bis zum 24. August 2011 krankgeschrieben war, nahm er dennoch an der Vorstellungsrunde teil. Als sein Arbeitsgeber am nächsten Tag von dem Bewerbungsgespräch erfuhr, kündigte er das Arbeitsverhältnis fristlos sowie hilfsweise ordentlich. Die Kündigung sah der Angestellte als unwirksam an, da er an einer kurzzeitigen Vorstellung nicht gehindert gewesen sei. Schließlich sei er lediglich aufgrund eines eingeschränkten Bewegungsradius seines Armes infolge eines eingeklemmten Nervs krankgeschrieben gewesen. Deshalb erhob der Angestellte Klage vor dem Arbeitsgericht und bekam Recht. Daraufhin ging der Arbeitgeber in Berufung.

Bewerbungsgespräch beeinflusst Genesungsverlauf nicht

Doch auch vor dem Landesarbeitsgericht hatte die Kündigung keinen Bestand. Nach Ansicht der Richter habe für eine außerordentliche, fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses kein wichtiger Grund nach § 626 BGB vorgelegen. Somit sei die Kündigung nicht gerechtfertigt gewesen und nachträglich unwirksam. Grundsätzlich muss ein erkrankter Arbeitnehmer während seiner Arbeitsunfähigkeit dafür Sorge tragen, dass diese Phase schnellstmöglich überwunden wird. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er deshalb an seinem Bett angebunden bleiben muss und die Wohnung nicht verlassen darf. Abzustellen ist vielmehr auf die zugrundeliegende Krankheit und die damit verbundenen zulässigen Tätigkeiten. In diesem konkreten Fall habe eine Einschränkung der Bewegungsfähigkeit des rechten Armes vorgelegen. Von Seiten des Arztes ist dem Angestellten lediglich angeraten worden, eine Belastung des Armes zu vermeiden. Nach Ansicht der Richter hat demnach nichts gegen die persönliche Teilnahme an dem Bewerbungsverfahren gesprochen.

Keine Anhaltspunkte für eine Arbeitsverweigerung

Während der Verhandlungen ließ der Arbeitgeber Zweifel an der Echtheit der Erkrankung anklingen. Nachdem der Angestellte seinen Arzt von der Schweigepflicht entbunden hatte und die medizinischen Ursachen aufrechterhalten konnte, wies das Gericht die Behauptungen des Arbeitgebers zurück. Der Arbeitgeber selbst konnte keinen Nachweis führen, dass keine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Insgesamt werteten die Richter das Verhalten des Arbeitnehmers weder als Arbeitsverweigerung noch als genesungswidriges Verhalten. Aus denselben Gründen sei deshalb nach Ansicht des Gerichts auch die ordentliche Kündigung als unrechtmäßig anzusehen. Hierbei greife aufgrund der Dauer des Arbeitsvertrages und der Anzahl der Belegschaft ohnehin das Kündigungsschutzgesetz.

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