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Reiseveranstalter darf bei Storno nicht den Großteil des Preises einbehalten

Flug verpasst, vom Partner getrennt, krank geworden - hin und wieder platzt die Reisebuchung erst in letzter Minute. Ärgerlich ist dies vor allem auch aus finanzieller Sicht, da zumeist ein Großteil des Geldes verloren ist. In seinem Urteil vom 21.01.2015 (Az.: 26 O 196/14) hat das Kölner Landgericht allerdings entschieden, dass Reiseveranstalter nicht einfach pauschal 90 Prozent des Reisepreises einbehalten dürfen. Vielmehr hat sich die Stornopauschale am tatsächlichen Schaden zu orientieren.

Sachverhalt

In dem zugrunde liegenden Fall ging der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen den Reiseveranstalter DER Touristik vor. Eine pauschale Regelung der Rücktrittskosten war dabei den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Gemäß einer Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sollten Kunden bei Nichterscheinen grundsätzlich mit einer Stornopauschale von 90 Prozent des Reisepreises bestraft werden. Diese Regelung galt unabhängig davon, ob der Kunde ein Hotel, einen Mietwagen, einen Flug oder eine Pauschalreise bucht. Noch schlimmer sollte es Kunden einer Kreuzfahrt treffen: Diese erhalten bei einer Absage der gebuchten Schifffahrt sogar den gesamten Reisepreis in Rechnung gestellt. Schließlich könnten die Kabinen auf dem Schiff laut DER Touristik kurzfristig nicht neu vergeben werden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen erhob daraufhin Klage vor dem Kölner Landgericht, weil die Stornopauschalen den zu erwartenden Schaden des Reiseveranstalters weit übersteigen würden. Zudem erklärte sich DER Touristik nicht dazu bereit, von den streitgegenständlichen Regelungen in ihren Reisebedingungen abzusehen.

Stornopauschale muss mit erlittenem finanziellem Schaden in Einklang stehen

Das Landgericht gab der Klage statt und folgte weitestgehend der Argumentation des Verbraucherschutzverbandes. Diese hatte zuvor ausgeführt, dass der Veranstalter bei einer Flugstornierung allein schon ungefähr 10 Prozent des Flugpreises an Flughafengebühren und Steuern spart. Zudem erklärte der vzbv, dass sich Ferienwohnungen, Hotels und Mietwagen kurzfristig auch anderweitig vermieten lassen würden. Dies müsse der Reiseveranstalter auch laut Aussage des Gerichts im Rahmen der Kalkulation seiner Rücktrittskostenpauschale berücksichtigen. Hierzu stellten die Richter klar: Ein Reiseanbieter müsse seine Kalkulation offenlegen und nachweisen, dass sich die Stornogebühren am tatsächlichen Schaden orientieren. Diesen Nachweis blieb der Reiseanbieter in vorliegendem Fall jedoch schuldig. Insbesondere konnte dem Gericht nicht deutlich gemacht werden, weshalb für vollkommen unterschiedliche Reiseleistungen die strittige Stornopauschale von nahezu einheitlich 90 Prozent berechnet werde. Dies sei deshalb besonders relevant, weil gesetzlich verlangt wird, dass ersparte Kosten und anderweitige Verwertungsmöglichkeiten differenziert für jede Reiseart ermittelt werden.

Zahlreiche Reiseanbieter im Visier der Verbraucherschützer

Die DER Touristik steht allerdings innerhalb der Branche nicht alleine da: So hat der vzbv seit 2012 eine Vielzahl von Reiseveranstalter aufgrund überhöhter Anzahlungen und Stornopauschalen abgemahnt. Über die zulässige Höhe von Anzahlungen hatte sich in der Vergangenheit bereits der Bundesgerichtshof geäußert (Az.: X ZR 147/13 u.a.). Noch ist das Urteil gegen die DER Touristik jedoch nicht rechtskräftig.

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